Nach Südfrankreich – Regen Regenpopegen – Avignon – Saint-Tropez

Es regnet. Komischerweise schneit es nicht. Das hätte uns noch gefehlt. Aber dafür REG NET es, und wenn ich es so sage, dann meine ich es auch so. Regen macht auf Dauer krank. Es sei denn, Du bist eine Pflanze oder wohnst in Afrika und hier dann halt nicht in Nordafrika, sondern im richtigen Afrika. Im Land Afrika. Naja. Was soll man auch schreiben.

Was wir jetzt für uns entdeckt haben, ist das Gondeln auf der Autobahn mit 80 km/h. Auf der ganzen Reise von Beaune nach Avignon haben wir genau 0 Kraftfahrzeuge überholt. Und Tempomat ist eine wundervolle Ausgedachtheit. Ich dachte mir, ich fahre jetzt nur noch so. Mit 80 auf der rechten Spur. von Mailand nach Sanremo, von Bastogne nach Lüttich und von Paris nach Roubaix. Und von Spitzbergen bis nach Malta. Ansonsten hasse ich autobahnfahren. Landstraße ist mein Krafttier. Nebenstraßen sind das wahre Leben. Nur halt nicht mit einem Siebenmeterteil. Die französischen Autobahnen sind wie die Straßen in Disneyland. Sogar im Regen.

AVIGNON

Ja, das ist richtig. Wir waren in Dings. Naja. Und dann sind wir wieder weg. Croissants gab es. Und diesen Kaffee, den wir uns selbst löten. Und dieses im Bett sitzen und sich wundern, dass man das kann. Avignon war ein bisschen egal. Entweder regnete es oder es war kalt. Ja, natürlich auch mal beides. Wir sitzen also im Bett und die Frage scheint zu sein, Narbonne oder Sportklettern in Finale Ligure (LOL). Wir entscheiden uns, zunächst zaghaft für Saint-Tropez. So Gunter Sachs-mäßig. Naja. Wohnmobil wären die ja damals nicht gefahren. Uncool. Ausnahmsweise schmeckt dieser Kaffee in seiner Form von Kaffee und nicht Espresso mit Milch, weil, wir sind ja draußen und unterwegs. Und wir schreiben Postkarten. Und der Wind wackelt am Flash 23. Oder sind wir das selbst? Irgendwann verschwimmt alles. Die Zelle fährt, hat die Ulrike gesagt. Gemeint hat sie nicht das Ding hier. Naja. Mir fallen die Augen zu. Für ungefähr sechs Minuten, dann bin ich wieder britze bratze wach. Die Dachluke ist auf. Es sind -2°C im Wohnmobil. Glaube ich. Die Frau schläft. Wie recht sie immer hat. Ich bin nicht neidisch, aber manchmal denke ich…

Ich stehe auf und schaue mir meine mymuesli-Mischung an. Hätte gut sein können, dass ich mir die reinpfeife, hab ich aber nicht. Ich setz mich an die Dinette und schaue nach draußen. Die Frau schläft immer noch. Licht ist aus. Draußen auch. Hier gehen morgens die Camper in Badelatschen und mit Klopapier in der Hand samt Kulturbeutel zur Gemeinschaftsdusche. Das habe ich nie verstanden, warum man das macht. Wir fahren neben dem Bett eine Dusche und ein Klo durch die Gegend. Man muss der Zukunft ins Auge blicken und die Annehmlichkeiten annehmen. Meine Meinung. Irgendwie so; da liegt die Zukunft. Im Rumgondeln. Das als Luxus und dafür auch was investieren und heute hier und morgen da. Keine Bindungen. Heimat ist alles und jeder. Nur die Frau und das Bett als fester Faktor im Leben. Nur das Wichtigste wichtig finden. Auch mal Ravioli kochen. Auch mal auf dem Trüffelmarkt in Carpentras was kaufen und sich über das Ei hobeln. Auch mal jeden Morgen frisches Baguette kaufen. Aber auch immer Vollkornbrot von der Bäckerei Bürger mitnehmen, wie das Bett und die Dusche und die Frau, die so wichtig ist, wie alles zusammen nicht wichtig ist. So wichtig. So, jetzt hab ich genug über Avignon geschrieben. Jetzt kann ich endlich links das Foto vom Frühstück-Croissant einfügen kann. Das ist clever. Naja.

INTERMARCHÉ AVENUE DE LA VICTOIRE, ORGON

Als ich noch Chips fraß, da hätte mich das aus der Bahn geworfen. Naja, jetzt in so einem positiv/negativen Sinne. Nun sind wir einfach so durchgebummelt, durch die Vielfalt des Supermarktes. Man sollte sich die Demut vor diesem Zustand bewahren. Dass wir das können:  In einem Supermarkt einkaufen zu können, das aber dann ablehnen und in Hofläden und beim Hersteller einkaufen. Bei der kleinen Bäckerei, beim Metzger, der mit Verstand das Tier zerlegt, wenn schon. Früher sind wir zu Frau Bausch, einer Meierin am Römerberg. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Was Milch auch inzwischen kostet. Und das gilt ja in Deutschland trotzdem als teuer. Obwohl die Bauern nichts verdienen. In Frankreich (zum Beispiel), da ist Essen was anderes. Nicht so Bocuse-mäßig, halt real und deep. Alles ist irgendwie besser, neuer, eleganter. Alles. Das Getier in guten Farben, die Fische glänzen und sind aus Fisch. Naja. Und Supermärkte sind das Fanal. Man muss sich gewahr sein, stets, dass das ein Geschenk ist. Kapitalismus ist auch irgendwie ein Geschenk. Man kann es drehen und wenden. Am Ende stehe ich mit Friseesalat und einer Schachtel getrüffeltem Dingsbumms an der Kase und ich kann das. Das kann nicht jeder. Drum kniehet nieder, die die ihr das könnt. In Frankreich gibt es Schinkengassen, rechts und auch links türmen sich zerlegte Schweine. Zartrosa. Oder Chipsalleen. Die Menschen waren freundlich. Draußen und drinnen scheint die Sonne. Die Gemüseabteilung ist wieder auch Disneyland. Wenn ich das sage, meine ich, das alles irgendwie perfekt erscheint und man denkt, was haben die dem Futter beigemischt, dass es so aussieht? Es ist alles so perfekt und schön und gut sortiert aus und die Radieschen sehen schöner aus als bei uns, weil: sie sind untenrum weiß. Das finde ich schmuck. Und es gab marinierten Lachs in Streifen geschnitten und mit frischem Baguette und Dijon-Mayonnaise ist das schon mal ein Gedicht. Und dann die Einkaufswagen, man kann sie unmöglich auffüllen, so groß sind sie, aber gleichzeitig schmal, dass bequem zwei Menschen mit Einkaufswagen sich in einem Gang überholen können. Und wenn man so verträumt rumsteht, dann sagen die Franzosen freundlich “Excusez-moi” und nicht “Hallde se doch nitt de Verkehr uff!!!”. Das ist sehr schön. Ich antworte dann mit “Oh!” und werfe mich ins Regal, weil ich so aufgeregt bin. Das ist alles sehr schön. Und an der Kasse, da waren alle Beteiligten sehr knuffig, auch wenn man der Kassiererin angesehen hat, dass Kassiererin nicht ihr Traumberuf ist und sie hier weg will, nur weg. Aber da sie schon mal da ist und wir ja auch knuffig sind, war sie auch knuffig. Da sollten sich die Kassiererinnen und Kassierer in Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden. Und draußen, vor einem Friseurladen, der, ich kann es aber nur ahnen, auch einen albernen Friseurladennamen hatte, was nicht schlimm ist, denn ich liebe die Franzosen, da stand ein Mann, der verkaufte Seife in Blöcken. Nein, es war Nougat und türkischer Honig. In riesigen Batzen. Aber da dachte ich schon wieder an mein Zuckermessgerät und bin schnell, freundlich den Kopf schüttelnd, nach draußen gehumpelt. Wie es so meine Art ist. Supermärkte in Frankreich sind alle sehr schön. Sogar die kleinen vergammelten. Aber der Intermarché in Orgon ist wunderschön und ich liebe ihn.

DAS LICHT

Man darf sich ja viel erlauben, aber bei Afrika von den Farben, bei Rucola von nussig und bei der Provence vom Licht zu schreiben, ist ziemlich mau im Bereich des Einfallsreichtums. Und es tut mir ja auch unendlich Leid, aber… DAS LICHT!!!!!!! Ich muss ein bisschen weinen, nach dem ganzen Regen und diesem Stellplatz in Beaune. Es ist so wundervoll in der Provence. Hier möcht´ ich sein. Zwar erahnen wir, dass das Reisen im Dezember nicht so der wahre Bringer ist, aber was soll’s. Wir können ja jederzeit wieder heim. Aber hier möchte ich sein. Also mit kleinem Häuschen, ganz klein. Mit Kiki und Internet und Frischwasser. Und den Kaninchen. Und dem Flash 23 vor der Tür. Und wenn wir Kundenmeetings haben, brause ich schnell heim oder wir schalten das Internet ein und begrüßen die Kunden am Bildschirm. Wir hier in der Provence und der Der Bernd Ringsdorf von der Der Bernd Ringsdorf Fernuniversität im Elsaß. So könnte das mal sein. Hier will ich sein.

Während mir die Abenteuer von Pierre André de Suffren durch den Kopf flossen, glitt Flash Gordon durch Saint-Cannat auf der Avenue Henri Barbusse. Ich bin mir sicher, Freddy Valin hat “Le Feu. Journal d’une escouade.” komplett und im original durch geschmökert und anschließend wach im Bett gelegen. Dann hat er (Valin) sich die Hose angezogen und ist runter in die Kneipe und hat bis nächsten Morgen um 7:45 Uhr durchgesoffen und ist dann zur Arbeit. Das Leben, der Valin, Berlin. Doch noch nicht jetzt.

Entlang der D7n auf der Route de Paris à Antibes, bei Lambesc war ich auf einmal wie zu Hause. Ich kann da nur für mich sprechen. Die Beifahrerin hat derweil Sehnsucht nach der Kaiserin Elisabeth und Pumm van Poppel. Da kann man dann gar nichts machen. Aber jetzt mal davon abgesehen. Die Straßen waren wie Kuschelkissen. Das Licht… DAS LICHT…

SAINT-TROPEZ / SAINT-MAXIME





Alle Straßen sind wie kleine Mäuschen. Wir fahren unseren Stiefel, aber halt mit 40 km/h und “der Franzose” hat ja auch diese Knubbel auf der Straße für sich entdeckt und dann ist es wie schwerer Seegang mit unserer mittelgroßen Nussschale. Aber das macht auch Spaß. Die Straßen sind in sattem Anthrazit gehalten, während der Rest beige/ocker angemalt ist. Das gefällt mir sehr. Wenn wir das Meer sehen, gefällt uns das auch. Wenn man aussteigt, weht einem der “Wind” den “Hut” weg. Dann steigen wir wieder ein. Unsere, extra für Wohnmobile ausgelegte, Navi-App weht uns in Gässchen, die schmaler sind, als Kate Moss. Und sogar die freundliche, knuffige Polizei lotst uns in kleine Wege mit Schlaglöchern aus dem Schlaglöcher-Bilderbuch. Links eine Mauer und rechts ein ca. ein Meter tiefer Graben aus Beton. Und dann fahren wir mutig rückwärts wieder raus. Naja. Die Sonne glitzert mit diesem LICHT vom Himmel. Was will man mehr. Irgendwann angekommen finden wir “Chez Jean Claude” und es sieht so aus, wie es Google-Earth vorhergesehen hat. Jean Claude ist knorrig und knorkig und sagt (auf franzöisch): “16 Euro, Strom, Wasser und Abwasser alles im Preis inbegriffen. Sie können parken wo sie wollen. Schönen Abend.” Wir parken auf dem einzigen freien Platz und drinnen ist es muckelig und es ist ja im Grunde egal, ob die Italiener mit ihren “Hunden” und seltsamen “Hüten” da draußen sich gegenseitig des Stronzo-Seins bezichtigen. Kiki sagt daher: “Stronzo!” und ich “Stronza” und wir essen zu Abend. Wir essen im Bett. Es gibt Baguette und Lachs und Dijon-Mayonnaise und Oliven und Kalorien und Kohlenhydrate, dass es eine wahre Pracht ist. Das Wohnmobil wackelt wegen des Windes und weil wir die Heck-Stempen nicht rausgekurbelt haben. Aber wir finden, es kann ruhig wackeln. Und dann schauen wir uns an, wie Phil Taylor seine Partie mit 4:0 gewinnt. Gute Nacht Jim Bob kann man da nur sagen. Wir wachsen da jetzt rein, in dieses Sein und wir lernen jeden Tag. Und am nächsten Tag, also heute am 29.12. entschließen wir uns, wieder Richtung Norden zu fahren. Das Meer war schön, aber das Landesinnere eben auch. Vielleicht fahren wir nach Barr und gehen zum Hervé, wenn wir da einen Parkplatz finden. Vielleicht kaufen wir nur im Supermarkt was ein, für die Kollegen im Büro oder wir machen was ganz anderes. Naja. Wir sagen Bescheid.

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