DER HIMMEL VOM GALGENKOPF

Frauenstein – McDonald’s, Friedrich-Bergius-Straße – Walluf, Im Johannisfeld – Eltville – Kiedrich, Suttonstraße – Hausen vor der Höhe –Obergladbach – Niedergladbach, Matzenmühle – Niedergladbach, Holzweg – Dickschied – Galgen-Kopf – Nauroth – Langschied – Schlangenbad – Frauenstein

Heute war es trüb am Himmel, aber wir haben uns um 10 Uhr auf die Reise gemacht. Zunächst mussten wir, einem seltsamen inneren Zwang folgend, ein kleines, pittoreskes Café in Wiesbaden-Biebrich ansteuern, um dort Café Latte (hihihi) und irgendwas mit Vanillesirup zu erwerben.  Aber dann fuhren wir aber wirklich los.

Angeblich soll es nämlich bei Walluf die Ruinen einer Burg und einer Kirche, nämlich der Johanniskirche, geben. Das behauptet jedenfalls die Frau. Sie habe es in einem Buch gelesen, also muss es stimmen. Die Ruinen (so sie wirklich existieren und daran ist nicht zu zweifeln, denn so steht es ja in einem Buch geschrieben) stehen aber in einer Straße, die mit dem Auto nicht zu befahren ist. Deshalb vertagten wir das Vorhaben, diese Ruinen zu besuchen, auf eine Fahrt mit unseren Motorrollern. Da wir für diesmal sonst nichts vorhatten und uns auch vorher nicht auf ein Ziel einigen konnten, zu faul waren, eins rauszusuchen, bzw. nicht mal einig waren, ob man überhaupt je ein Ziel im Vorfeld suchen sollte oder einfach auf’s Geradewohl losdüsen müsse, düsten wir erstmal auf’s Geradewohl los.  So fuhren wir aus unerfindlichen Gründen durch Eltville und dann durch Kiedrich, wo uns eine blaue Tür in der Suttonstraße derart faszinierte, dass wir sogar einmal um den Block fuhren, um sie zu fotografieren.

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Auf dem Weg nach Hausen vor der Höhe brach zum einen plötzlich der Frühling aus, zum anderen stellten wir fest, dass in den letzten Jahren enorme Beträge in die Renovierung der Straßen im Rheingau investiert wurde. Das kann man überall sehen. Es lebe der Wohlstand. Alle Straßenmarkierungen waren in blütenweiß gehalten und die Schutzplanken, welche leider nicht das von mir persönlich präferierte wellenförmige A-Profil (Armco Flex-Beam guard rail, USA Patent Nr. 1,989,763), sondern leider, leider das eckige B-Profil aufwiesen und unter anderem gerne in Israel Einsatz finden, waren aus feinstem Stahl gewirkt und anschließend in mühsamer Handarbeit verzinkt worden (Eijeijei. Kompliziert. Das häufige Vorkommen dieser Leit- bzw. Schutzplankensorte in Israel ist aber nicht der Grund für seine Bezeichnung „Bethlehem Safety-Beam“, sondern soll vielmehr an den Hersteller Bethlehem Steel Corporation erinnern, der dieses Profil zuerst auf den Markt brachte).

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Derart mit Gedanken benetzt fuhren wir weiter durch ein sonderbares Land. Niedergladbach hat noch nie die Deutsche Meisterschaft in nichts gewonnen. Das muss man leider sagen. Da sollte man auch ehrlich zu sich selbst sein. Die Kultur auf friedhofesken Hanglagen Buxbäumchen anzupflanzen, erscheint uns doch sehr fremd, aber gleichwohl auch erfrischend und ein bisschen verrückt. Ob man in die sicher irgendwann erwachsen gewordenen Buxbäumchen Dollarsymbole oder leicht bekleidete Menschen hineinschnitzt, werden wir eventuell beim Erfahren dieser Gegend erfahren und dann berichten wir’s hier brühwarm. Wie Speisen und Getränke in Matzenmühle (Bild unter dem Buxbäumchenbild) schmecken oder ob man uns dort überhaupt was zu essen gibt und/oder ob wir das überhaupt wollen, das kann eventuell dauern, bis die Leserinnen und Leser dieses kleinen Blöggchens dies zu lesen bekommen. Immerhin hatten wir beim Befahren des im Schatten der Berge gelegenen, pfützigen Geländes ehr die Anmutung, dass uns demnächst jemand die Rübe mittels einer abgesägten Schrotflinte vom Sockel pustet. War nur so ein Gefühl. Muss ja nicht stimmen. Ist sicher auch übertrieben.

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Doch dann brach der Himmel auf und wir fanden ein Bänkchen am Galgen-Kopf. Offenes Land, offener Himmel, weiter Horizont und alle Gedanken einfach mal nicht stattfinden lassen und nur -bank-bei-heidenrodso-bank-bei-heidenrod-mäßig dasitzen. Das müsste man mal machen.  Wenn man auf so einer Bank sitzt, müsste man eigentlich immer Hühnerbeine haben. Also nicht  selbst, sondern dabei. Eingepackt. Hühnerbeine undso-bank-bei-heidenrod-mäßig dasitzen. Das müsste man mal machen.  Wenn man auf so einer Bank sitzt, müsste man eigentlich immer Hühnerbeine haben. Also nicht  selbst, sondern dabei. Hühnerbeine und Erfrischungstücher und kalten grünen Tee oder Cola Zero. Und Salz müsste man dabei haben, knuspriges Brot mit Butter, Cheddar mit Chili darinnen, und die Frau müsste einen leichten Rotwein aus der Region süffeln. Es wären so ca. 22°C und ein leichtes Windchen würde wehen. Dann wär die Welt perfekt. Also unsere Welt wäre dann jedenfalls für diesen Augenblick perfekt.

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Nun aber kommt die überraschendste Wendung in dieser Geschichte: Wir fuhren auf einer sogenannten Hauptstraße flugs nach Hause, da die Frau der Kopfschmerz, sowie der Heuschnupf ereilte.  Außerdem waren wir ja auch noch bei der Gräfin zum Lachs-Essen geladen, wo ich dann auch von dem Hund Texas ins rechte Wadenbein gebissen wurde. Das ist aber eine ganz andere Geschichte, die ich gerne mal privat zum Besten gebe, wenn ich ein paar Gläser Hochprozentigen intus habe. Sie wissen schon.

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