BELGIUM

Belgien ist ja auch irgendwie wundervoll.

Das wusste ich gar nicht und nun muss ich es allen erzählen. Durch dieses wundervolle Land fuhren wir und ich dachte mir, Du MUSST jetzt mal dieses Häuschen dort fotografieren und schon trug es uns vorbei an diesem Häuschen. Und dieses Tal, wenn man davon mal ein Bildchen machte, dann würden wir den Menschen da draußen, deutlich machen können, wie schön es dort (in diesem Belgien) ist. Belgien ist nämlich schön, aber wir haben keine Fotos gemacht, also ist es nicht schön. Könnte man sagen. Nur dieses GIF dort oben haben wir gemacht und ein paar verwackelte Bilder im Regen. Hier muss man mir also glauben. Man muss mir vertrauen. Ich sage es, wie es ist. Belgien ist schön.

Vor ein paar Jahren sind wir mal die Küste runtergefahren. Von den Niederlanden aus. Da war alles hässlich und es hat uns so genervt, dass wir so in der Hälfte der Küstenstrecke nach links Richtung Ardennen abgebogen sind. Und dann haben uns alle* gesagt, genau ab da, wo wir abgebogen sind, ist die belgische Küste wunderwunderschön. Toll! Und dann ist uns Belgien noch mal unangenehm aufgefallen, als wir wieder mal aus Richtung dieses überambitioniert pittoresken Holland kamen. Da erschien uns Belgien wie ein Second Hand-Shop im Berlin-Wedding der 80er-Jahre eines zum Glück längst vergangenen Jahrhunderts. Aber jetzt, also gestern und vorgestern, da war es wie Zuckerguss in den grünen Hügeln eines walisisch anmutenden Idealbilds von “wie die Welt sein könnte”. Diese in grauem Bruchstein gehaltene Wunderbarhaftigkeit inmitten von Nichts. Wo nichts ist, außer diese kleinen Häuschen in ihrer Schönheit. Und Bäume und kleine Bächlein und Wiesen mit fröhlich vor sich hinkackenden Miezekühen darauf. Und wir fragten uns: Was arbeiten die Menschen, die hier wohnen? Wo arbeiten die? Fahren die alle nach Liége oder Bruxelles, haben die eBay-Shops und verkaufen von zuhause aus belgische Absonderlichkeit an absonderliche Japaner?

JEDENFALLS

haben wir drei Supermärkte erkundet, von denen wir KEINEN fotografiert haben und auch noch nicht mal irgendwas aus deren Sortiment.

Der erste, war der Spar in Comblain-au-Pont. Der war zwar eher etwas rümpelig, aber wir konnte das Schiff wundervoll davor parken und damit war das schonmal auch gut. Drinnen war es belgisch und damit anders als bei uns und damit auch irgendwie toll. Salat wollte ich und kaufte, was man hier in Germany nie machen sollte, einen zusammengestellten Salat in einer Plastikschüssel versehen mit einer Plastikgabel. Aber auch das war toll. Alles in Belgien ist toll.

Am nächsten Morgen sind wir zum Carrefour Market nach Hamoir und ich hätte wetten können, dass da nebenan eine Moschee steht, aber so kann man sich irren. Auch hier fanden wir einen superdupertollen Parkplatz mit Sorgenfrei-Garantie und traten ein in den ganz aufregend schön sortierten wundervollen Carrefour, wo einem das Personal noch “Bonjour!” entgegenschmettert. Da gab es Spargel in gekochten Schinken gewickelt mit Mayonnaise auf einem Salatbett. Und ich untertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass jede Komponente dieses Gerichtes ganz vorzüglich geschmeckt hat. Also ja auch, wenn man bedenkt, dass sich das alles in einer Plastikbox abspielte und Plastikboxen ja die Meere vernichten. Insofern muss ich den Konsum solcher Dinge nochmal überdenken. Ja, schon gut. Aber trotzdem … sogar die sommersprossige, rabaukenstupsnasige Jugend vor Tür sagte was Nettes. Jedensfalls gehe fest davon aus. Ich, mit meinem Kangolhütchen und meinen Vans, bin ja schließlich Berufsjugendlicher und somit einer von ihnen.

Am dritten Tag regnete es auf unsere Campingstühle und wir fuhren heim. Nicht jedoch ohne den Carrefour in Barvaux-sur-Orthe anzusteuern, um dem männlichen Teil der Belegschaft belgisches Bier einzukaufen. Ich würde ja auch dem weiblichen Teil der Belegschaft auch etwas “Schönes” mitbringen, aber jener schaut immer so sauertöpfisch und Fräulein Rottenmeier-esk drein, wenn man “ihm” kalorienhaltige Spaßlebensmittel überreichen will. Da verliert man mit den Jahren die Lust. Nun. In diesem Markt kauften wir quasi nichts. Außer Bier für den mit einem X- und einem Y-Chromosom ausstatteten Teil der Belegschaft. Und Brillenputztücher. Und Carpaccio. Naja und Saucen auf den Diabolo und Mammouth geschrieben steht. Wofür der Geschmack “Mammut” steht, habe ich noch nicht herausfinden können.

Was ich aber herausgefunden habe: Wenn es regnet, kann man getrost auch aus Versehen auf der Autobahn nach Hause fahren. Und Belgien finde ich sogar noch ein bisschen besser (HAR HAR HAR besser) als das Elsaß, das ich ja auch schon ganz gut finde. Also: wenn man (m/w/trans) mal kurz irgendwohin™ will**, dann ist Belgien absolut das Richtige. Soweit wir das im vorbeischaukeln erkennen konnten, gibt es auch für Hotelfreaks etliche Orte zum Verweilen und wahrscheinlich auch mit einem Bett ausgestattete Übernachtungsmöglichkeiten. Und es gibt in jedem noch so kleinen Dorf eine Bar. Und Tankstellen gibt es quasi auch überall und tatsächlich, man glaubt es kaum, Pommes frites. Wobei ich die Version weitererzähle, in der die Belgier die Pommes frites erfunden haben. Das klingt für mich am plausibelsten.

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